Warum „Landscape“-Ansätze die Zukunft der nachhaltigen Landwirtschaft sind

Traktor mit einer schweren Scheibenegge auf dem Feld
In diesem Artikel wird erläutert, warum „Landscape“-Ansätze, die auf der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen und der Kofinanzierung regenerativer Praktiken auf Betriebsebene basieren, sich als der wirksamste Weg erweisen, um den Übergang zu einer nachhaltigen Landwirtschaft zu beschleunigen.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Gemeinsame Anstrengungen: Warum „Landscape“-Ansätze die Zukunft der nachhaltigen Landwirtschaft sind

Die Dekarbonisierung der Landwirtschaft steht vor einem Paradoxon: Jedes Unternehmen versucht, seine Scope 3 Alleingang zu reduzieren, doch gerade dieser isolierte Ansatz bremst den Fortschritt.

Eine Branche, die in einer „Logik der Bequemlichkeit“ gefangen ist

Wenn Unternehmen versuchen, ihre Scope 3 im Alleingang anzugehen, sind die Fortschritte naturgemäß sehr langsam.

Der Agrarsektor ist auch heute noch eher einer „Praktikabilitätslogik“ als einer „Akteurslogik“ verfallen: Die Unternehmen sind oft weit vom landwirtschaftlichen Betrieb entfernt und kaufen in der Regel nur eine einzige Kulturpflanze im Rahmen einer mehrjährigen Fruchtfolge an.

Diese Fragmentierung führt zu einer geringen Rückverfolgbarkeit der Daten und zu einer tiefgreifenden Diskrepanz zwischen den vor Ort durchgeführten Aktivitäten und der CO₂-Bilanz der Unternehmen. Hinzu kommt die Schwierigkeit, sich in einer Vielzahl widersprüchlicher Berechnungsmethoden zurechtzufinden – darunter allein etwa 25 ISO-Normen für den Produkt-Fußabdruck –, was zu großer Verwirrung führt.

Um die Dekarbonisierung zu beschleunigen, betonen die führenden Akteure der Branche die Notwendigkeit, auf kooperative„Landscape“-Ansätzeumzusteigen, bei denen Ressourcen gebündelt und Maßnahmen auf der Ebene des gesamten Betriebs gemeinsam finanziert werden.

Traktor mit einer schweren Scheibenegge auf dem Feld

Das Landscape Enterprise Network (LENs)

Das Landscape Enterprise Network (LENs) ist ein Paradebeispiel für dieses Kooperationsmodell. LENs bringt eine kritische Masse regionaler Akteure – Kommunalverwaltungen, Unternehmen der Agrar- und Lebensmittelbranche, Wasserversorger – zusammen, um ihre finanziellen Mittel für gemeinsame Umweltziele wie die Regeneration von Böden und die Kohlenstoffbindung zu bündeln.

Da verschiedene Akteure auf unterschiedliche Weise von denselben regenerativen Praktiken profitieren – ein Lebensmittelunternehmen erhöht die Widerstandsfähigkeit seiner Lieferkette, während ein Wasserversorger seine Wasseraufbereitungskosten senken kann –, senkt die Bündelung von Ressourcen die finanziellen Eintrittsbarrieren erheblich. Jeder Geldgeber erhält anschließend maßgeschneiderte Berichte, die auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind, beispielsweise für seine Scope 3.

Dieses Modell ermöglicht es, den Sektor aus der Phase kurzlebiger Pilotprojekte herauszuführen und auf nachhaltige Wirkung auszurichten: Seit 2021 konnten dadurch fast 30 Millionen Euro an fairen und angemessenen Zahlungen an die Landwirte ausgezahlt werden.

Auch die großen Verarbeiter erkennen zunehmend die Notwendigkeit gemeinsamer Programme, um ihre Klima- und Methanziele bis 2030 zu erreichen. Danone setzt stark auf eine vorwettbewerbliche Abstimmung: Mehrere Akteure derselben Lieferkette einigen sich im Vorfeld auf gemeinsame Methoden, Programmkonzepte und Leistungskennzahlen (KPIs), um wichtige Möglichkeiten der Kofinanzierung zu erschließen. 

Die Initiative „EIT Food Lower Silesia“

Bild: EIT Food-Projekt

Die EIT-Food-Initiative Lower Silesia 360° veranschaulicht diese Kofinanzierung konkret auf der Ebene des gesamten Betriebs. Dieses im Oktober 2025 für eine Laufzeit von drei Jahren (2025–2028) gestartete und von EIT Food koordinierte Vorzeigeprojekt vereint fast 200 polnische Landwirte auf einer Fläche von über 20.000 Hektar in Niederschlesien, die vier wichtige Ackerkulturen anbauen: Raps, Weizen, Braugerste und Zuckerrüben.

Mehrere führende Unternehmen der Lebensmittelindustrie – Bunge, PepsiCo, Viking Malt und Malteurop – bündeln dort ihre Finanzmittel als Abnehmer (Abnehmer) ihre Finanzmittel bündeln, während ein Expertenkonsortium aus MyEasyFarm, Seqana und Biosphères das „digitale Rückgrat“ des Systems bildet: MyEasyFarm setztMyEasyFarm seine MRV-Plattform ein, um zuverlässige Daten über Bodengesundheit, Biodiversität und Treibhausgasemissionen zu erheben, Seqana liefert die wissenschaftliche Quantifizierung des Bodenkohlenstoffs und Biosphères bringt seine praktische Expertise im Bereich der regenerativen Landwirtschaft ein.

Das Projekt, das als europaweit übertragbares Modell konzipiert wurde, verbindet technische Schulungen mit finanziellen Anreizen, um den Übergang nachhaltig zu gestalten und wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.

Erfahren Sie mehr über das Projekt.

Und sehen Sie sich die Aufzeichnung der Konferenz an, in der das Projekt vorgestellt wird.

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Vom Emissionsausgleich hin zu einer echten Dekarbonisierung von Scope 3

Experten betonen, dass das zugrunde liegende Agrarprodukt nicht mehr als „kohlenstoffarm“ gelten kann, wenn der gebundene Kohlenstoff in Form eines klassischen Ausgleichszertifikats verkauft wird – was in direktem Widerspruch zur Dekarbonisierung der Lieferketten von Unternehmen steht.

Zwar gibt es durchaus freiwillige CO₂-Märkte, doch für 85 % der Landwirte Scope 3 das MRV-Verfahren (Messung, Berichterstattung und Überprüfung) für die Scope 3 Berichterstattung Scope 3 oberste Priorität. Das Fehlen klarer Leitlinien dazu, was unter Scope 3 fällt Scope 3 auf dem Markt handelbare Gutschrift Scope 3 – Scope 3 im Rahmen von Rahmenwerken wie dem Carbon Removal Certification Framework (CRCF) der EU –, führt jedoch dazu, dass Unternehmen im „Pilotmodus“ verharren, um das Risiko einer Doppelzählung zu vermeiden.

Die entscheidende Rolle der EU und der Interoperabilität

Um diese Hindernisse zu beseitigen, müssen Normungsgremien, Anbieter digitaler Tools und Unternehmenskunden das finanzielle Risiko sowie die Kosten für die Datenerhebung gemeinsam tragen. Branchenexperten warnen vor Datendopplungen und führen Fälle an, in denen Probenahmeexperten im Feld im Laufe einer Saison mehrmals denselben Betrieb aufsuchen, um identische Daten für verschiedene Unternehmen zu erheben.

Um dem entgegenzuwirken, muss die Europäische Union die Rolle eines „Systembuilders“ übernehmen und die verschiedenen Berichterstattungsprotokolle (wie das GHG-Protokoll, die CSRD und das CRCF) miteinander verknüpfen, um Kohärenz und Interoperabilität zu gewährleisten. Zahlreiche Experten empfehlen, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) als operative Ebene zu nutzen und die bestehenden nationalen Datensätze zu öffnen, um die Kosten für MRV drastisch zu senken.

Indem die EU eine digitale Infrastruktur durchsetzt, die auf dem Prinzip „einmal abfragen, Daten wiederverwenden“ (ask once, reuse data) basiert, und indem sie die Betreiber, die diese komplexen„Landscape“-Projektekoordinieren, finanziell unterstützt, kann sie den Verwaltungsaufwand für die Landwirte verringern und die nachgelagerten Unternehmen der Agrar- und Lebensmittelbranche zum Handeln anregen.

CSRD – Europäische Flagge

Fazit

Die Dekarbonisierung der Landwirtschaft wird sich nicht Betrieb für Betrieb oder Unternehmen für Unternehmen vollziehen.

Solange jeder Akteur auf eigene Faust vorgeht, werden die Fortschritte nur langsam vorankommen, die Daten fragmentiert bleiben und die Projekte auf den ewigen „Pilotmodus“ beschränkt sein.„Landscape“-Ansätzekehren diese Logik um: Indem sie Finanzmittel, Methoden und Datenerhebung für ein gesamtes Gebiet statt für eine einzelne Kultur bündeln, senken sie die Eintrittsbarrieren, sichern faire Zahlungen für die Landwirte und verankern den Wandel langfristig statt nur als Experiment.

Um eine flächendeckende Umsetzung zu erreichen, müssen noch zwei Voraussetzungen erfüllt werden: Zum einen muss die Grenze zwischen Scope 3 handelbaren Emissionsgutschriften geklärt werden, um die Befürchtung einer Doppelzählung auszuräumen, und zum anderen muss die Europäische Union zu einem echten „Systemgestalter“ werden, der in der Lage ist, den Grundsatz „Einmal abfragen, Daten wiederverwenden“ durchzusetzen.

Es geht nicht mehr darum, zu beweisen, dass regenerative Landwirtschaft funktioniert, sondern darum, ihre Finanzierung und ihre Messung gemeinsam zu organisieren.

Kurz gesagt: Die gemeinsame Anstrengung ist die Voraussetzung dafür, die Wirkung zu vervielfachen.

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